Konzept

Theory — admin @ 1:06 pm

Das urbane System des 21.Jahrhunderts ist von einer unsichtbaren Architektur ueberlagert, einer Landschaft komponiert von elektromagnetischen Wellen, welche um sich greifend, Menschen, Fahrzeuge sowie Gebaeude durchdringt und in Resonanz versetzt. Diese elektromagnetische Umgebung ist die Ausgangslage sowie das Material fuer das Projekt “The pain of everyday life”. Die Unsichtbarkeit formt die Relation zwischen abstrakter Informationsarchitektur und Alltagsbeschraenkungen, wobei letztere durch eine speziell angefertigte Jacke koerperlich erfahrbar gemacht wird. Die Jacke (wearable computer) besitzt eine portable Spielkonsole, die mit Wireless Funktion ausgestattet und fuer dieses Projekt speziell modifiziert worden ist. Die Programmroutine der Konsole “scannt” permanent nach drahtlosen Netzwerken, analysiert deren Zugangsbeschraenkung

und formt anhand der empfangenen Daten die Corsage am Koerper. Das Brustkorbgeflecht der Jacke ist mit High-torque Servos ausgestattet. Je staerker die Verschluesselung und dichter das Signal, desto enger die Manschette und infolge, desto schmerzhafter bzw. unertraeglicher wird das Bewegen durch die unsichtbare Maxwell’sche City. Der Alltagsweg zwischen Arbeit, Zuhause und Freizeit wird re-kompiliert; der Flaneur des 21. Jahrhunderts balanciert entlang des lustvoll-rezipierten Schmerzes und der Qual in den zeitgenoessischen Arcades sans fil(1).

Funknetzwerke sind das Geruest der ubiquitaeren Datenkommunikation und machen das Internet allgegenwaertig, wobei Privat und oeffentlicher Raum nicht mehr im herkoemmlichen Sinne existieren, viel eher in eine Parallel-welt ko-existieren, welche zwar nicht sichtbar aber sehr wohl spuerbar ist. Privatraum in drahtlosen Netzwerken wird durch Verschluesselungsalgorithmen und Zugangsbeschraenkungen definiert. “Ausgeschlossen sein” bedeutet nicht nur Behinderung im Zugang zum oeffentlichem Raum Internet, sondern eben auch einer nutzlosen elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt zu sein.

Michel de Certau schreibt ueber die taeglichen Bewegungen von Menschen in urbanen Systemen (1984):

They walk – an elementary form of this experience of the city; they are walkers “Wandersmaenner”, whose bodies follow the thicks and thins of an urban “text” they write without being able to read it. These practitioners make use of spaces that cannot be seen.(2)

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Auf aehnliche Weise artikuliert sich das Projekt von Gordan Savicic, jedoch wird es dem “Wandersmann” ploetzlich moeglich den Code der Stadt zu lesen, indem unerreichbare Wege der Funkkommunikation direkt auf den Koerper Einfluss nehmen. Der modifizierte Koerper ist der Balance-Act aus Schmerz und Vernunft. Im Gegenzug werden die geschriebenen Wege auf der Spielkonsole mitaufgezeichnet. Das Bewegungsmuster ist der neue Code, den die Stadt beschreibt und wird auf Papier als Momentaufnahme einer prozessuralen Datenarchitektur wiedergegeben. Die Karte ist somit die Inschrift eines psychogeographischen Schmerzmusters, sowie Traegermaterial fuer eine Reihe von Publikationsbeitraegen von u.a. Florian Cramer (GER), Femke Snelting (BE), Margarete Jahrmann (A/CH) und Martin Howse (UK) zu RealGaming, Corsagen und Walking Practices. Die Publikation wird im Format eines Stadtplanes erscheinen und Teil der Ausstellung.

It is always by way of pain one arrives at pleasure. (Marquis de Sade)

(1) Walter Benjamin, The Arcades Projects
(2) Michel de Certeau, The practice of everyday Life, 1984, p. 93

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